Weichmacher in unseren Alltagshelfern – wenn die Mengen an Inhaltsstoffen in Kunststoffen zum Problem werden…

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Umweltbundesamtes und des Robert-Koch-Instituts zum Thema: “Belastung der Bevölkerung mit Weichmachern – Studienergebnisse und Stand der Diskussion zu einer kumulativen Risikobewertung” brachte es hervor: Weichmacher sind überall präsent in unserem Leben, in unseren Produkten und in unserem Urin und dem Urin unserer Kinder.

In der Studie wurden Urinproben von 2500 Studienteilnehmern zwischen drei und 17 Jahren ausgewertet. In fast allen Proben seien Rückstände von Plastikinhaltsstoffen gefunden worden, insbesondere von Weichmachern.

Weichmacher: unverzichtbar in vielen Produkten
Als Weichmacher werden Stoffe bezeichnet, die als Bestandteil vieler Produkte, wie zum Beispiel Kunststoffartikel aus Weich-PVC, für deren Elastizität und Flexibilität sorgen. Die bekanntesten Weichmacher sind die Phthalate. Hierbei handelt es sich um die Alkyl- oder Arylester der Phthalsäure.

Polymere: Sichtbares und unsichtbares Problem

Wenn wir Kunststoffe als Umweltproblem wahrnehmen, dann deswegen, weil wir es sehen. Wir sehen Plastikberge im Meer auf uns zutreiben, wir sehen Peelingpartikel während des Duschens ins Abwasser schwimmen, dazu kommt, dass wir fast täglich mit neuen Bildern und Eindrücken zu diesem Thema konfrontiert werden. Was ist mit den unsichtbaren Polymerbestandteilen? Was ist mit den Weichmachern, was ist mit den Fließmitteln, was mit z.B. wasserabweisenden Zusätzen?

Polymerverarbeiter formen die meisten unserer Kunststoffprodukte unter Mithilfe von Zusätzen.

Bedenkt man, dass synthetische Polymere, besser bekannt als Kunststoffe, weltweit in einer breiten Palette von Konsumgütern wie Plastiktüten und Spielzeug verwendet werden, wundert es einen nicht, dass die Zusätze ebenfalls eine Rolle spielen bei der Betrachtung von Risiken für Mensch, Tier und Umwelt, die aus Einzel-Kunststoffen, deren Produkten oder auch durch Mikroplastik entstehen können. Der Bedarf ist nach wie vor riesig, trotz Verboten von sogenannten “single-use”-Artikeln und Plastik-Vermeidungsstrategien, 2015 wurden beispielweise weltweit 322 Mio. t Kunststoff produziert und Deutschland hatte einen Bedarf von mehr als 12 Mio. t. (PlasticsEurope, Plastics – the Facts 2015. An analysis of European plastics production, demand and waste data, Brussels, Belgium: Association of Plastics Manufacturers, 2016.; Consultic, IK, PlasticsEurope, BVSE, VDMA, BKV, Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen in Deutschland 2015 – Kurzfassung, 2016, https://www.bkv-gmbh.de/fileadmin/documents/Studien/Consultic_2015__23.09.2016__Kurzfassung.pdf, accessed 5 June 2018.)

Kunststoffe und demnach auch Mikroplastik sind gerade für Umweltwissenschaftler und Ökotoxikologen von großem Interesse, da toxische Substanzen wie persistente organische Schadstoffe (persistent organic pollutants, POPs) daran adsorbieren und von Tieren aufgenommen werden, gleichzeitig auch Stoffe aus dem Kunststoff heraus in die Umwelt migrieren können. (S.L. Wright, R.C. Thompson, T.S. Galloway, The physical impacts of microplastics on marine organisms: A review, Environmental Pollution 178 (2013) 483–492.; J.A. Ivar do Sul, M.F. Costa, The present and future of microplastic pollution in the marine environment, Environmental pollution (Barking, Essex 1987) 185 (2014) 352–364.)

Was passiert, wenn Mikroplastik in die Umwelt gelangt?

Mikroplastikpartikel - Verhalten und Funktion bei Eintritt in die Umwelt
Aus der Sicht eines Mikroplastikpartikel: Was passiert, wenn…?

Mikroplastik kann von Organismen durch die Verwechslung mit Nahrung oder nicht selektive Nahrungsaufnahme aus der Umwelt aufgenommen werden. (S.L. Wright, R.C. Thompson, T.S. Galloway, The physical impacts of microplastics on marine organisms: A review, Environmental Pollution 178 (2013) 483–492.)

Des Weiteren können besonders sehr kleine Plastikpartikel direkt über die Kiemen in den Blutkreislauf gelangen. (A.J.R. Watts, C. Lewis, R.M. Goodhead, S.J. Beckett, J. Moger, C.R. Tyler, T.S. Galloway, Uptake and retention of microplastics by the shore crab Carcinus maenas, Environmental science & technology 48 (2014) 8823–8830.)

Im Organismus kann es dann verschiedene schädliche Effekte entfalten. Hierzu gehören physikalische Effekte, die sich direkt über die Wirkung der Plastikpartikel als Fremdköper im Organismus entfalten, sowie indirekte Effekte, durch die Abgabe enthaltener und in der Umwelt aufgenommener Schadstoffe.

Mehr dazu in unserem Artikel: https://www.git-labor.de/forschung/umwelt/ursprung-und-auswirkungen-synthetischer-polymere-der-umwelt

Was wir jetzt bereits wissen reicht, um das Handeln zu beschleunigen.

Die stetig steigenden Plastik- und Mikroplastikkontamination stellt inzwischen nicht nur eine Gefahr für die Umwelt, sondern auch für den Menschen dar. Es bedarf dringend Maßnahmen zur Reduktion des Plastikeintrages. Auch Verbote besonders kritischer Plastikprodukte, und Mikroplastik in Kosmetika, finanzielle Anreize wie Plastiksteuer oder Pfand auf Mehrwegprodukte aber auch die Förderung von Recycling und Plastikalternativen sind wichtige Schritte.

Um das Risiko für den Menschen besser einschätzen zu können müssen die verschiedenen Expositionspfade aufgeklärt und das Risikopotenzial von Mikroplastik im menschlichen Körper untersucht werden. Die Gefahr von Plastik in der Umwelt wird inzwischen auch von der Politik ernst genommen und es gibt erste Gegenmaßnahme wie die europaweite Strategie für Kunststoffe. Jedoch reichen die aktuell durchgeführten Maßnahmen und Vorschläge in keinem Fall aus. Nicht zuletzt auch deshalb, weil oftmals keine eindeutigen Richtlinien erlassen worden sind, sondern es noch immer an genauen Vorgaben mangelt.

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