Die Krux mit der Wasserqualität und dem echten Wasserverbrauch

Durch die Industrie gelangen oft Schadstoffe ins Wasser. Vor allem in Ländern mit wenig Kontrolle durch die Behörden und viel Korruption wird das Abwasser von Fabriken oft ungefiltert in Flüsse und Seen geleitet.

Die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide und Düngemittel tragen wesentlich zur Wasserverschmutzung bei.

Ein weiteres Problem ist vielerorts die fehlende Abwasserentsorgung. Abwässer und Fäkalien werden nicht abgeleitet, sondern fließen oft ungeschützt ab, wodurch das Wasser, welches die Menschen zum Waschen, Kochen und Trinken nutzen, verunreinigt wird. Dies hat verheerende Folgen für die Gesundheit.

Woran liegt das?

Ein Grund ist das Verteilungsproblem.

Global ist (rein rechnerisch) eigentlich genug Wasser auf der Erde vorhanden, damit jeder Mensch seine Grundbedürfnisse befriedigen kann. Das Problem ist eine ungerechte Verteilung.

Auch wenn es in einer Region theoretisch genug Trinkwasser gibt, heißt das nicht, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Oftmals mangelt es an der nötigen Infrastruktur, die  das Wasser auch zu armen und marginalisierten Teilen der Gesellschaft bringt. Teilweise ist Wasser so teuer, dass sich nur die Reichen genug Wasser leisten können. In Regionen, in denen Konflikte herrschen, wird der Zugang zu Wasser als Machtmittel genutzt. So ist beispielsweise ein Großteil der Wasserquellen im Westjordanland unter israelischer Kontrolle, der palästinensischen Bevölkerung wird nur ein kleiner Anteil des Wassers zugestanden.

Per Definition versteht man unter Wasserverbrauch: Im gewerblichen Sinn der bei der Nutzung verbrauchte Anteil des Wassers, der nicht als Kühlwasser oder Abwasser abgeleitet wird, der also im Produkt verbleibt, verdunstet oder auf anderem Weg das Leitungssystem verlässt.

In einer umfassenderen Definition des Begriffes werden neben dem gewerblichen oder kommunalen Verbrauch auch die Menge des durch Pflanzen aufgenommenen und entweder transpirierten oder direkt zum Aufbau des Pflanzengewebes verbrauchten Oberflächen- und Grundwassers sowie das von der Anbaufläche verdunstete Wasser in Volumeneinheiten pro Flächeneinheit berücksichtigt.

Welche Rolle spielt „Virtuelles Wasser“ in der Nachhaltigkeitsdiskussion?

Der Begriff “virtuelles Wasser” beschreibt, welche Menge Wasser zur Herstellung eines Produktes – egal ob industriell oder landwirtschaftlich – verbraucht wurde.

Oder kurzgesagt: „Virtuelles Wasser“ ist das Wasser, welches zur Erzeugung eines Produkts aufgewendet wird. Tony Allan – „Erfinder des Begriffs Virtuelles Wassers“ / Studie „Water Footprints of Nations“ (2004)

Ein Bespiel zum Einstieg: Zur Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch werden etwa 16.000 Liter Wasser verbraucht. Berechnet wird neben dem Wasser zum Tränken der Tiere beispielweise auch das Wasser, das beim Anbau der Futtermittel für die Rinder verbraucht wird.

Und jetzt kommt der Wasserfußabdruck ins Spiel.

Wie sieht die Bilanzierung des virtuellen Wassers eines Landes aus?

Bei der Ermittlung des Gesamt-Wasserfußabdrucks der Einwohner eines Landes gilt es insgesamt drei Einflussgrößen zu unterscheiden:

  1. Interner Wasserfußabdruck: Inlandsproduktion landwirtschaftlicher und industrieller Güter, Wasser für die häusliche Verwendung und Anwendung
  2. Externer Wasserfußabdruck: Importiertes virtuelles Wasser, für die Produktion von Gütern, in anderen Ländern beanspruchte Wasserressourcen
  3. Anteil des Wasserfußabdruck exportierter Güter

Der Wasserfußabdruck ist das eine, das Wasserdargebot das andere. Unter Wasserdargebot versteht man die für eine bestimmte Zeit aus dem natürlichen Wasserkreislauf zur Verfügung stehende nutzbare Menge an Süßwasser.

Vergleich man das Wasserdargebot und den Wasserfußabdruck für Deutschland ergeben sich die folgenden Zahlen.

Wasserfußabdruck der Einwohner Deutschlands:          126 Mrd. m³/Jahr

Wasserfußabdruck der exportierten Güter:                      70 Mrd. m³/Jahr

Summe des Gesamt-Wasserfußabdrucks                         196 Mrd. m³/Jahr

Für Deutschland liegt das erneuerbare Wasserdargebot nur bei 188 Mrd. m³/Jahr.

Jetzt kommt der sogenannte Wassernutzungs-Index als Indikator zum Tragen. Dieser Index gibt an, wie hoch die Wasserentnahmen in Deutschland sind, gemessen an den erneuerbaren Wasserressourcen.

Wenn 20 % oder mehr des Wasserdargebots genutzt werden, wird in internationalen Vergleichen von Wasserstress gesprochen.

Das Resultat einer starken Wassernutzung sind Umweltprobleme und eine Behinderung oder sogar Blockade der ökonomische Entwicklung (Raskin et al. 1997; https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/indicators/use-of-freshwater-resources-2/raskin-et-al.-1997 ).

Ein Beispiel ist, dass Grundwasservorkommen in Küstennähe durch eindringendes Meerwasser versalzen. Ein weiteres Beispiel: Durch sinkende Grundwasserstände können Moore und Feuchtgebiete austrocknen und verloren gehen.

In Deutschland herrscht allgemein betrachtet kein Wasserstress, jedoch gibt es regionale und saisonale Unterschiede. Der Niederschlag in Deutschland sehr ungleich verteilt. Regionen wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind besonders niederschlagsarm. Andere Regionen, zum Beispiel im Alpenvorland, sind sehr niederschlagsreich.

Fakt ist, dass in Zukunft der Wassernutzungs-Index mehr und mehr herangezogen wird, um den Klimawandel mit zusätzlichen Indikatorwerten zu beschreiben und Änderungen im Verhalten der Menschen zu bewirken. Es ist jedoch so, dass solange wir auf der „richtigen Seite“ der Weltkugel wohnen, wir uns der Verantwortung viel zu häufig entziehen. Umso wichtiger ist es, dass wir darüber sprechen und unser #Bewusstsein für Veränderungen antriggern.

Handlungsbedarf besteht dann, wenn die Produktion von Gütern zur Übernutzung von Wasserressourcen führt.

Das übergeordnete Ziel sollte eine nachhaltige Wassernutzung des erneuerbaren Wasserdargebots sein.

Das Problem, mit dem sich jeder von uns konfrontiert sieht ist: Wie kann ich als Verbraucher meinen Lebensstil selbstständig beurteilen und „wasserschonende“ Produkte erkennen?

Unsere Handlungsoptionen, an denen man sofort anknüpfen könnte:

  • Reduzierter Fleischkonsum und/oder (Bio-)Fleisch aus der Region
  • Regionale saisonale Produkte kaufen, am besten aus ökologischem Landbau
  • Herkunft beachten (bei importierten Produkten) z.B. Fairtrade- und Öko-Label als Entscheidungshilfe
  • Hochwertige und langlebige Produkte nutzen (bei Industriegütern)

Unser Ziele mit Wasser 3.0 #rethink ist, dass wir durch unsere Umweltkommunikation

  • den Einstieg zum Thema Wasser liefern und Dimensionen und Zusammenhänge deutlich machen
  • mehr Verständnis der Rolle des virtuellen Wassers im Wasserkreislau vermitteln.
  • eine differenzierte Sichtweise zwischen „schädlichem“ und „unschädlichem“ virtuellen Wasser vermitteln.
  • die Zusammenhänge begreifen zwischen eigenem Lebensstil und der Wassernutzung in anderen Regionen der Erde
  • und das wir final motivierend wirken, den eigenen Lebensstil zu überdenken und anzupassen.

Veränderungen beginnen im Kopf. Lassen wir sie zu.

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