Blue Economy: Die Ozeane als riesiges Wirtschaftssystem


Unsere Ozeane sind nicht nur das größte Ökosystem der Welt, sondern auch ein riesiges Wirtschaftssystem - eine Blue Economy. Die Notwendigkeit für mehr Nachhaltigkeit in diesem Bereich ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Nicht zuletzt, weil sich Ozeane und Meere in guten ökologischen und chemischen Zuständen befinden müssen, um ihre wirtschaftlichen - und sozialen - Potentiale zu entfalten.

Was ist die Blue Economy?

Die Vereinten Nationen haben hier einige Definitionen der Blue Economy zusammengefasst.

Eine davon liefert die Weltbank: Eine zeitgemäße Blue Economy umfasst die "nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen für wirtschaftliches Wachstum, Verbesserung der Lebensgrundlagen und Beschäftigung bei gleichzeitiger Erhaltung eines gesunden Meeresökosystems".

Copyright: Wasser 3.0 (aus dem Englischen von AfricaNews 2018)

Die Ozeane als Öko-Dienstleister

Unsere Ozeane machen 97 % der weltweiten Wasserressourcen aus. Dieses Ausmaß lässt die Erde aus dem Weltall als blauen Planeten erscheinen. Ozeane und Meere liefern die Hälfte des Sauerstoffs, den wir für das Leben auf diesem Planeten benötigen. Unsere Meere enthalten 80 % aller Lebensformen, bieten Nahrung für fast die Hälfte der Weltbevölkerung und sind wichtige Ressourcen für die psychische und physische menschliche Gesundheit.

Wirtschaftssystem Blue Economy

Ozeane sind in einem komplexen und interagierenden Geflecht aus wirtschaftlichen Interaktionen involviert. Hierfür hat sich der Begriff Blue Economy (manchmal auch Ocean Economy) etabliert.

Die Wirtschaftskraft der heutigen globalen Blue Economy ist immens. Zu ihr gehören alle Industriezweige und Sektoren, die im weitesten Sinne mit Ozeanen, Meeren und Küsten zu tun haben, unabhängig davon, ob sich die Tätigkeiten auf dem oder im Meer oder an Land abspielen. Dazu zählen: Schifffahrt, Fischerei, (erneuerbare) Energieerzeugung, Häfen, Werften, Aquakulturen, Algenproduktion, Tourismus genauso wie Forschung, Entwicklung und Bildung.

Gefährdetes Gleichgewicht des Ökosystems Ozean

Die wirtschaftlichen Tätigkeitsfelder haben eine kumulative Wirkung auf die Meeresumwelt, dem größten Ökosystem unseres Planeten. Die Folgen seiner Nutzung und Ausbeutung treten seit Jahrzehnten immer offensichtlicher und umfangreicher zu Tage, verstärkt durch Klimawandel und Treibhausgasemissionen. Müllteppiche, Plastik- und Ölverschmutzungen sind weithin sichtbar. Hinzukommen die unsichtbaren Belastungen durch Mikroplastik, Chemikalien, Nährstoffe und Unterwasserlärm. Der Verlust von Biodiversität und natürlicher Lebensräume sowie gesundheitliche Risiken für die Nahrungskette sind Folgen.

Auch das Klima ist eng mit den Ozeanen verbunden. Sie sind die wichtigste Kohlenstoffsenke der Erde, d.h. sie nehmen vom Menschen erzeugtes CO2 auf und speichern es. Dieser einerseits positive Vorgang hat jedoch einen großen Nachteil. Das aufgenommene CO2 löst sich im Wasser und löst eine Versauerung aus. Dies führt zur Schädigung sensibler Ökosysteme wie Korallenriffs, die die Lebensgrundlage für fast ein Viertel der Meerestieren sind.

Der Weg zu einer nachhaltigen Blue Economy

Die Potentiale der Blue Economy für die Sicherstellung und Verbesserung des menschlichen Wohlergehens und sozialer Gerechtigkeit sind enorm. Nicht weniger weitreichend sind die Risiken sollten die Öko-Dienstleistungen der Ozeane, Meere und Küsten weiterhin unter vorrangig ökonomischen Interessen genutzt bzw. ausgebeutet werden.

Mit Konzepten, Ansätzen und Maßnahmen hat sich die Menschheit dem Schutz der Ozeane angenommen. Ökonomische, ökologische und soziale Ziele werden in lokalen, transnationalen und globalen Initiativen sowohl singulär als auch vernetzt verfolgt.

In einer solchen Blue Economy sind auch Unternehmen, Institutionen und Organisationen aktiv, die zur Wiederherstellung, dem Schutz oder Erhalt produktiver und widerstandsfähiger Meeresökosysteme beitragen und die Verfügbarkeit von sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen fördern.

So sollen beispielsweise bis 2030 die Fläche der Meeresschutzgebiete von derzeit 11 % auf 30 % erweitert werden. Die Vereinten Nationen haben den Schutz der Ozeane und Meere in Ziel 14 – Leben unter Wasser – der Nachhaltigkeitsziele verankert. Seit 2021 Jahr läuft die UN-Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung, denn es gibt vieles, was wir noch nicht wissen über dieses riesige Ökosystem und die Folgen menschlicher Eingriffe. Auch auf europäischer Ebene rücken der Ozean- und Gewässerschutz und die notwendige Nachhaltigkeit der Blue Economy nicht zuletzt mit dem Green Deal in den Fokus.