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Wie viel Mikroplastik gelangt durch Alltagsprozesse in die Umwelt? Und was können wir tun?

Dieser Frage widmen wir uns in unseren Forschungs- und Bildungsprojekten zu Wasser ohne Mikroplastik und Mikroschadstoffen genauer. Stand heute und in Zukunft: Mikroplastik wurde bisher überall auf der Welt gefunden, vom den tiefsten Tiefen bis in die höchsten Höhen. Auch in unserem Essen, an und in unserer Kleidung und in unseren Wasch- und Reinigungssubstanzen finden wir Mikroplastik und lösliche Polymere.

Mikroplastik in der Umwelt und auf unserem Teller ist bereits ein Thema, was uns alle betrifft. Es ist aber auch ein Thema, welches immer noch mehr Daten und auch mehr Transparenz benötigt. Während auf der einen Seite die Verunsicherung bei den Menschen größer wird, kommt die Politik in Sachen Gesetze und Regulationen ins Stocken.

Wir möchten unseren Beitrag zur Beschleunigung beitragen und den politischen Entscheidern die Basis liefern, Regulationen und Gesetze zu verabschieden, aber auch den Wirtschaftsunternehmen mehr Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Mikroplastik ist eine globale Herausforderung, die alle Akteuer:innen braucht.

Wir weiten unser Handeln aus. was zählt ist das "Gemeinsam für Wasser ohne Mikroplastik und Mikroschadstoffe". Dank Sponsoring und Spenden können wir mit zwei neuen Forschungsprojekte starten. Die komplette Finanzierung der Forschungsvorgaben steht noch nicht. Wir sind jedoch neugierig und fangen eigeninitiativ an.

Wenn Sie daran interessiert sind, schneller die Ergebnisse zu sehen, dann unterstützen Sie uns. Bei uns wird damit jeder*r Teil der Lösung.

Forschungsprojekt 1: Wie viel Mikroplastik entsteht beim Waschen?

Synthetische Fasern geben unter anderem auch über den Waschprozess in Waschmaschinen kleine Kunststoffpartikel- und fasern ins Waschwasser ab. Die Abriebpartikel sind verschwindend klein und passieren das Flusensieb der Waschmaschinen und gelangen in unsere Kläranlagen. Hier werden sie derzeit nur teilweise entfernt (schwere Kunststoffpartikel). Komplett und vollständig herausgefiltert werden können sie nicht.

Das Abwasser verlässt Mikroplastik-haltig die drei Reinigungsstufen der kommunalen Kläranlage und bringt das Mikroplastik in unsere Flüsse, Seen und Meere. Dort zerfallen sie in noch kleinere Teile (Stichwort Nanoplastik), die Schadstoffe und Bakterien anziehen und nicht abgebaut werden können. Mikroplastik dringt damit in unseren Wasserkreislauf ein und wird auch Teil der tierischen, pflanzlichen und menschlichen Nahrungskette.

Über welche Mengen wir hier sprechen, wird derzeit nur geschätzt oder aus zu wenigen Datensätzen abgeleitet.  Mit dieser Datengrundlage geben wir uns nicht zufrieden und werden in den nächsten 12 Monaten der Forschungsfrage genauer auf den Grund gehen, wie viel Mikroplastik aus Textilien ins Abwasser gelangen, oder anders formuliert: Welchen Impact hat ein nachgerüsteter Filter in der Waschmaschine auf die gesamte Mikroplastikbelastung in unserer Umwelt.

Wir haben hierzu eine neue Waschmaschine von Beko Grundig Deutschland GmbH erhalten und werden mit Hilfe einer umfangreichen Studienmatrix und unserer Methode zur Mikroplastik-Detektion genauer analysieren, wie sich Einsatz von Waschmittel,  Wahl der Waschprogramme (Temperatur, Schleuderzahl etc...) auf die Mikroplastik-Entstehung aus Textilien (Wäsche) auswirken. Die erhaltenen Daten und Empfehlungen werden wir nach und nach publizieren und in unserem Blog vorstellen.

Forschungsprojekt 2: Wie viel Mikroplastik wird während des Sports aus Funktionskleidung in die Umwelt abgegeben?

Rein synthetische Funktionskleidung, aber auch Mischgewebe mit entsprechendem Baumwollanteil enthalten synthetische Kunststofffasern. Da der Marktanteil dieser Mikrofasern an der weltweiten Faser-Produktion rund 74 Prozent einnimmt, sind - mit Ausnahme der reinen Baumwoll- oder anderer natürlicher Produkte – in einem Großteil unserer Kleidung immer auch Kunststoffe verarbeitet und demnach  potentielle Mikroplastik-Quellen vorhanden.

Wie viele Fasern beim Waschen abgegeben werden, hängt unter anderem mit der Verarbeitung der Gewebe zusammen, aber auch mit ihrer Zusammensetzung: Reines Acryl oder Polyester gibt bei einem normalen Waschgang mehr Mikroplastik ab als Polyester-Baumwoll-Mischungen. Spannbettlaken geben weniger Fasern ab als Fleecejacken. Aber wie ist es, wenn wir Sport machen?

Ob nun Radfahren, Joggen oder Fußball, für die unterschiedlichen Sportarten stehen entsprechende Funktionskleidungsstücke zur Verfügung, die die sportlichen Ergebnisse verbessern können und von den Wetterverhältnissen unabhängig machen. Die besonderen Membranen schützen, atmen und komprimieren. Die High-Tech-Fasern werden je nach Einsatzbereich gewebt und verarbeitet. Das Ziel ist immer: Sie sollten leicht, elastisch, UV-beständig, schmutzabweisend und thermoregulierend sein. Ein Kälteschutz ist wichtig, um das Auskühlen der Muskulatur zu verhindern und damit Verletzungen vorzubeugen.

In den meisten Fällen besitzt unsere Funktionskleidung einen Polyester- oder Polyamid-Anteil. Polyester gilt als leichter Allrounder. Die synthetische Faser sorgt nach einer Veredelung für eine gute Wärmeisolierung und wird daher bei Winterjacken als Futterstoff eingesetzt. Sportkleidungsstücke, wie Trainingsanzüge, Trainingshosen und Trikots, die einen höheren Polyesteranteil ausweisen, sind formbeständig, strapazierfähig und knitterfrei. Polyester ist atmungsaktiv und sorgt für eine angenehme Belüftung der Haut.

Die Polyamid-Faser gilt als scheuerbeständig, die oftmals als Nylon, Perlon oder Kevlar bezeichnet wird. Zu den Stärken des Materials zählen Reißfestigkeit, Elastizität und Scheuerbeständigkeit. Die Polyamidfaser wird bevorzugt mit anderen Stoffen kombiniert, um unterschiedliche Materialeigenschaften bei einem Kleidungsstück zu vereinen. Exemplarisch führt die Verbindung von Polyamid und Polyester oder Baumwolle zu einer Erhöhung des Tragekomforts. Polyamid ist sehr leicht und besitzt im nassen sowie trockenen Zustand eine hohe Festigkeit. Im Vergleich zu Polyester ist eine bessere Dehnbarkeit festzustellen.

Was genau, in welchem Maß passiert, wenn wir Sport machen (joggen, radfahren), das werden wir in den nächsten Monaten analysieren. Unsere Mikroplastik-Detektion wird methodisch angepasst und wir werden unsere Sportbegeisterung nutzen, um die Emissionen zu messen. Wir sind sehr gespannt, wie viel Mikroplastik wir finden werden. Die Ergebnisse werden wir, wie immer publizieren und unseren Blog nutzen, um den Projektfortschritt zu dokumentieren.