Mikroplastik-Monitoring für kommunale Kläranlagen

Ab 10.000 Einwohnerwerten verlangt die EU-Kommunalabwasserrichtlinie die Überwachung von Mikroplastik im Zu- und Ablauf Ihrer Kläranlage. Wir übernehmen das vollständig: Probenahme vor Ort, Detektion im Labor, Bericht. Sie stellen Zugang und Strom, wir bringen alles Weitere mit.

Diese Seite nennt Zahlen statt Adjektive. Jede Leistungsangabe ist mit der Publikation verlinkt, aus der sie stammt.

Stand: August 2026 | Nächste Prüfung Dezember 2026

Was verlangt die EU-Kommunalabwasserrichtlinie von Ihrer Kläranlage?

Die Richtlinie (EU) 2024/3019 ist am 1. Januar 2025 in Kraft getreten und muss bis zum 31. Juli 2027 in nationales Recht umgesetzt sein. Sie ersetzt die Richtlinie 91/271/EWG von 1991 und führt erstmals eine Überwachungspflicht für Mikroplastik ein.

  • Ab 10.000 EW: Die zuständigen Behörden überwachen das Vorhandensein von Mikroplastik im Zulauf und im Ablauf der Kläranlage. Bei jeder Probenahme wird an beiden Punkten beprobt.
  • Ab 10.000 EW, Klärschlamm: Mikroplastik im Klärschlamm ist zu überwachen, soweit relevant — insbesondere dann, wenn der Schlamm landwirtschaftlich verwertet wird.
  • Mischwasserüberläufe und Niederschlagswasser aus Trennsystemen: Auch hier sind Mikroplastik und relevante Schadstoffe repräsentativ zu erfassen.

Zwei Dinge, die dabei oft übersehen werden. Erstens gibt es bislang keinen Grenzwert für Mikroplastik — die Richtlinie schreibt Messen vor, nicht Einhalten. Zweitens ist die Messmethodik noch nicht festgelegt; die Kommission wird sie über Durchführungsrechtsakte bestimmen, erwartet bis Juli 2027.

Was das praktisch bedeutet: Wer erst auf die verbindliche Methodik wartet, beginnt ohne Vergleichsdaten. Wer jetzt mit einem standardisierten Verfahren startet, hat bis dahin eine Zeitreihe — und die ist bei einem so stark schwankenden Parameter das Entscheidende. Warum, steht im nächsten Abschnitt.

*Die konkreten Probenahmefrequenzen ergeben sich aus Artikel 21 und dem Anhang der Richtlinie. Maßgeblich für Sie wird die deutsche Umsetzung sein. Den amtlichen Text finden Sie hier.*

Wie viel Mikroplastik gibt eine kommunale Kläranlage tatsächlich ab?

Im Ablauf der Kläranlage Landau-Mörlheim haben wir über zwei Jahre und drei Monate im Mittel 27,8 ± 29,8 Mikroplastikpartikel pro Liter gemessen — bei einer Spanne von 0,6 bis 194,0 Partikeln pro Liter (Sturm et al., Microplastics 2024, 3, 492). Hochgerechnet sind das rund 1,5 × 10¹¹ Partikel pro Jahr aus einer einzigen Anlage, etwa 2,8 Millionen Partikel je Einwohner und Jahr.

Die Standardabweichung ist hier größer als der halbe Mittelwert. Das ist kein Messfehler, sondern die Eigenschaft des Parameters: Die Belastung schwankt über die Zeit erheblich, ohne dass sich das mit Jahreszeit, Wetter oder anderen Abwasserparametern erklären ließe. Die Untersuchung beruht auf 320 Einzelproben.

Kläranlagen entfernen den überwiegenden Teil des zulaufenden Mikroplastiks. Wegen der hohen Abwassermengen bleiben sie dennoch ein relevanter Eintragspfad in Oberflächengewässer — und über diese ins Meer. Wie sich das in Fließgewässern niederschlägt, haben wir in drei deutschen Flüssen gemessen: 4 bis 1761 Partikel pro Liter, je nach Gewässer und Zeitpunkt.

Reicht eine vierte Reinigungsstufe, um Mikroplastik zu entfernen?

Nach unseren Vergleichsmessungen nicht. Wir haben die Abläufe von drei kommunalen Kläranlagen mit unterschiedlichen Reinigungskonzepten über längere Zeiträume mit identischer Methodik untersucht (Sturm et al., Water 2025, 17, 711):

Reinigungskonzept

Mittlere Mikroplastikkonzentration im Ablauf

Konventionell, drei Reinigungsstufen

21,8 MP/L

Vier Stufen mit Pulveraktivkohle

15,1 MP/L

Zwei Stufen mit Membranbioreaktor (MBR)

15,1 MP/L

 

Zwischen den drei Anlagen bestand kein signifikanter Unterschied. Weder die Pulveraktivkohle noch der Membranbioreaktor entfernte Mikroplastik zuverlässig mit.

Wir sagen das, obwohl es unbequem ist: Eine vierte Reinigungsstufe ist für gelöste Spurenstoffe hochwirksam und aus guten Gründen Kern der neuen Richtlinie. Für Mikroplastik gilt das nach unseren Daten nicht automatisch mit. Wenn Ihnen jemand den Ausbau der vierten Stufe als Lösung für Mikroplastik verkauft, lohnt eine Nachfrage nach den Messdaten. Mehr dazu und zu den Grenzen unserer eigenen Aussagen steht auf unserer Seite Nachhaltigkeit.

Für die Praxis heißt das: Messen und Entfernen sind zwei Entscheidungen. Die Überwachungspflicht ab 10.000 EW gilt unabhängig davon, ob Sie ausbauen. Und ohne Messwerte lässt sich der Nutzen eines Ausbaus gar nicht beziffern.

Wie viele Proben brauchen Sie für ein belastbares Ergebnis?

Für eine Fehlermarge von ± 25 % bei 95 % Konfidenz benötigen Sie 21 Proben mit Großvolumen-Filtration oder 51 Schöpfproben (Sturm et al., Microplastics 2026, 5, 75). Das ist die Frage, die vor jeder Ausschreibung steht, und sie wird selten beantwortet.

Wir haben dafür vier Wassermatrizes verglichen, darunter Kläranlagenablauf und Mischwasserüberlauf. Die Großvolumen-Filtration über unsere Particle Sampling Unit (100 L, 10 µm) erreichte eine mittlere relative Standardabweichung von 41 ± 17 %, die klassische Schöpfprobe (0,5 L) dagegen 64 ± 19 %. Die Wiederfindung mit Polyamid-Referenzpartikeln (357 ± 60 µm) lag bei 93 ± 7 % für Schöpfproben und 88 ± 23 % für die Großvolumen-Filtration.

In der Gewässeruntersuchung lieferte die Großvolumen-Filtration 4,7-fach höhere Konzentrationen als die Schöpfprobe. Wer mit Schöpfproben misst, unterschätzt die Belastung systematisch — und riskiert damit, eine spätere behördliche Messung nicht reproduzieren zu können.

Deshalb planen wir Kampagnen nicht nach Bauchgefühl, sondern nach Zielgenauigkeit. Sagen Sie uns, welche Fehlermarge Sie brauchen, und wir sagen Ihnen, wie viele Proben das kostet.

Was Wasser 3.0 für Sie übernimmt

Von der Terminvereinbarung bis zum Bericht — Sie müssen nichts vorbereiten außer Zugang, Strom und Leitungswasser.

1. Standardisierte Probenahme vor Ort

Wir bringen unsere Particle Sampling Unit mit, eine mobile Einheit für die Beprobung großer Volumina. Sie filtriert vor Ort über 10 µm und macht damit Probenmengen zugänglich, die mit Schöpfproben nicht erreichbar sind. Beprobt wird nach demselben Protokoll wie in unseren Veröffentlichungen — das ist die Voraussetzung dafür, dass Ihre Werte mit anderen Anlagen und mit Ihren eigenen Vorjahreswerten vergleichbar sind. Details zur Technik finden Sie unter Mikroplastik-Analytik.

2. Detektion im Labor

Die Proben werden oxidativ aufbereitet, mit eigens entwickelten Nilrot-Derivaten fluoreszenzmarkiert und unter dem Fluoreszenzmikroskop automatisiert ausgezählt. Das Verfahren wurde in Anal. Bioanal. Chem. 2021, 413, 1059, Analytica 2023, 4, 27 und Microplastics 2023, 2, 334 entwickelt, optimiert und publiziert.

3. Bericht

Sie erhalten Konzentrationen in Mikroplastikpartikeln pro Liter (MP/L), mit Angabe von Probenzahl, Streuung und Methodik — in einer Form, die sich gegenüber Aufsichtsbehörde und Gremien vertreten lässt.

Sie wollen selbst beproben?

Wir stellen unsere Handbücher für die standardisierte Mikroplastik-Analytik bereit und geben unser Wissen für die Detektion im eigenen Labor. Die Mikroskop-Modifikation für die Fluoreszenzauswertung lässt sich mit Material für unter 30 Euro umsetzen (Analytica 2023, 4, 27).

Wie zuverlässig ist die Messmethode?

Die Wiederfindungsraten liegen zwischen 93,3 % für Polypropylen und 101,7 % für Polyester.

Das Verfahren ist an einer kommunalen Kläranlage über 320 Proben und zwei Jahre und drei Monate (Microplastics 2024, 3, 492) sowie im Vergleich dreier Anlagen mit zwei, drei und vier Reinigungsstufen (Water 2025, 17, 711) angewandt worden. Ein Kontaminationsmonitoring läuft dabei durchgehend mit.

Ebenfalls wichtig: Die Wahl von Farbstoff und Auswerteverfahren verändert das Ergebnis. Am selben Standort und im selben Zeitraum ergaben sich je nach Variante 41, 87 oder 103 MP/L (Analytica 2023, 4, 27).

Wir nutzen nur einen Fluoreszenzmarker in unserem Standardprotokoll und dokumentieren die Methodik im Bericht mit. Ein Zahlenwert ohne Methode ist nicht vergleichbar.

Was Sie vor Ort bereitstellen

  • Zugang zur Kläranlage
  • Stromversorgung
  • Zugang zum Auslassschacht beziehungsweise Auslauf (und, für das Zulauf-Monitoring nach der Richtlinie, zum Zulauf)
  • Zugang zu Leitungswasser

Mehr braucht es nicht. Die Probenahmezeiten stimmen wir flexibel mit Ihrem Betrieb ab.

Und wenn Sie Mikroplastik nicht nur messen, sondern entfernen wollen?

Dann ist die Messung der erste Schritt, nicht der letzte. Ohne Ausgangswerte lässt sich keine Entfernungsleistung nachweisen und kein Ausbau begründen.

Unsere Entfernungstechnologie Wasser 3.0 PE-X® beruht auf Agglomeration und Fixierung durch Organosilane und arbeitet filterfrei. An der kommunalen Kläranlage Mykonos hat eine Pilotanlage im Ablauf einer zweistufigen Anlage 86 ± 8 % des Mikroplastiks entfernt, bei gleichzeitiger Reduktion der abfiltrierbaren Stoffe um 95 ± 3 % (Sturm et al., Clean Technol. 2026, 8, 32). Die Zulaufkonzentrationen lagen dort zwischen 633 und 5843 MP/L, im Ablauf zwischen 96 und 263 MP/L.

In hochbelastetem Industrieabwasser liegen die Werte höher — bis 97,4 % nach Masse und 99,1 % nach Partikelzahl (Clean Technol. 2025, 7, 67). Diese Spannweite ist systematisch: Bei niedrigeren Ausgangskonzentrationen und komplexeren Matrizes sinkt die Entfernungsrate. Wir nennen beide Werte, damit Sie mit realistischen Erwartungen planen.

Was mit dem abgetrennten Material geschieht, beschreiben wir unter Wiederverwertung & Kreislaufwirtschaft — einschließlich der Feststellung, dass die Agglomerate nach derzeitiger Analyse nicht deponiefähig sind und heute überwiegend thermisch verwertet werden. Einen Überblick über den Gesamtansatz gibt die Technologieübersicht.

Ein Hinweis zu Indirekteinleitern

Ein erheblicher Teil der Mikroplastikfracht kommunaler Kläranlagen stammt aus industriellen Einleitungen. Die Entfernung am Entstehungsort ist dort um ein Vielfaches wirksamer als am Ende der Kette: An einem kunststoffverarbeitenden Betrieb wurden im Pilotmaßstab rechnerisch 1,7 t Mikroplastik und 6 t CSB pro Jahr davon abgehalten, überhaupt in die Kanalisation zu gelangen (Clean Technol. 2025, 7, 67). Wenn Sie Indirekteinleiter in Ihrem Einzugsgebiet haben, lohnt sich der Blick auf unsere Angebote für die Industrie.

Wo unsere Aussagen an Grenzen stoßen

  • Es gibt bislang keine verbindliche EU-Messmethodik für Mikroplastik in kommunalem Abwasser. Unsere Methode ist publiziert und reproduzierbar, aber noch keine Norm.
  • Entfernungsleistungen wurden an einzelnen Anlagen und Wassermatrizes gemessen und sind nicht ohne Weiteres übertragbar.
  • Angaben zur Rechtslage geben unseren Kenntnisstand zum genannten Datum wieder und ersetzen keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die deutsche Umsetzung der Richtlinie.

Alle Studien im Volltext finden Sie unter Publikationen. Angaben zu Struktur und Mittelverwendung unter Transparenz.

Nächster Schritt

Sagen Sie uns Anlagengröße, gewünschte Fehlermarge und Zeitraum — wir rechnen Ihnen die nötige Probenzahl und ein Angebot aus.

FAQ - Häufig gestellte Fragen

1Ab welcher Größe muss eine Kläranlage Mikroplastik messen?
Nach der EU-Kommunalabwasserrichtlinie (EU) 2024/3019 ist Mikroplastik im Zu- und Ablauf von Kläranlagen ab 10.000 Einwohnerwerten zu überwachen, ebenso im Klärschlamm, soweit relevant — insbesondere bei landwirtschaftlicher Verwertung. Die Richtlinie ist am 1. Januar 2025 in Kraft getreten und bis zum 31. Juli 2027 in nationales Recht umzusetzen.
2Gibt es einen Grenzwert für Mikroplastik im Kläranlagenablauf?
Nein. Die Richtlinie schreibt die Überwachung vor, legt aber keinen zulässigen Höchstwert für Mikroplastik fest. Auch die verbindliche Messmethodik steht noch aus; sie soll über Durchführungsrechtsakte festgelegt werden.
3Wie viel Mikroplastik gibt eine kommunale Kläranlage ab?
An der Kläranlage Landau-Mörlheim ergaben 320 Proben über zwei Jahre und drei Monate im Mittel 27,8 ± 29,8 Partikel pro Liter im Ablauf, mit einer Spanne von 0,6 bis 194,0 Partikeln pro Liter — hochgerechnet rund 1,5 × 10¹¹ Partikel pro Jahr (Microplastics 2024, 3, 492).
4Wie viele Proben brauche ich für ein belastbares Monitoring?
Für eine Fehlermarge von ± 25 % bei 95 % Konfidenz sind 21 Großvolumenproben oder 51 Schöpfproben nötig (Microplastics 2026, 5, 75). Einzelproben sind nicht repräsentativ, weil die Konzentration im Ablauf zwischen 0,6 und 194 Partikeln pro Liter schwanken kann.
5Entfernt eine vierte Reinigungsstufe Mikroplastik?
Nach unseren Vergleichsmessungen nicht in signifikantem Umfang. Eine dreistufige Anlage lag bei 21,8 MP/L im Ablauf, eine vierstufige mit Pulveraktivkohle bei 15,1 MP/L, ein Membranbioreaktor ebenfalls bei 15,1 MP/L — die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant (Water 2025, 17, 711).
6Wie genau ist die Messmethode von Wasser 3.0?
Die Wiederfindungsraten liegen zwischen 93,3 % (Polypropylen) und 101,7 % (Polyester) (Microplastics 2023, 2, 334). Reifenabrieb ist mit dem Verfahren nicht detektierbar, weil die Schwarzfärbung die Fluoreszenz löscht. Hierzu laufen Forschungsprojekte, die diese Lücke auch im standardisierten Messprogramm schließt.
7Was muss meine Kläranlage für die Probenahme bereitstellen?
Zugang zur Anlage, Stromversorgung, Zugang zu Auslassschacht und Zulauf sowie Leitungswasser. Die mobile Probenahmeeinheit bringen wir mit; die Probenahmezeiten stimmen wir mit Ihrem Betrieb ab.
8Können wir die Analytik auch selbst durchführen?
Ja. Wir stellen Handbücher für standardisierte Probenahme und Probenaufbereitung bereit. Die nötige Mikroskop-Modifikation kostet unter 30 Euro an Material (Analytica 2023, 4, 27).

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