
dm wird Kilometerpartner von DONAU 2850
11. August 2026450 Kilometer, ein Fluss, eine Datenlücke: Data4Danube Bulgaria startet
Zwischen Vidin und Silistra fließt die Donau durch Bulgarien – und niemand weiß genau, wie viel Mikroplastik sie dabei transportiert. Gemeinsam mit LessPlastic Bulgaria schließen wir diese Lücke. Gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung im Programm „Perspektive Donau“.
Es gibt Zahlen, die man einmal liest und nicht mehr vergisst. Diese hier ist eine davon: Geschätzte 4,2 Tonnen Mikroplastik fließen täglich durch die Donau ins Schwarze Meer. 83 Millionen Menschen in zehn Ländern leben an und von diesem Fluss.
Und dann gibt es Zahlen, die es nicht gibt. Für den bulgarischen Donauabschnitt – rund 450 Kilometer zwischen Vidin und Silistra – existiert bis heute keine einheitliche, vergleichbare Datenbasis zur Mikroplastikbelastung. Kein Messnetz, keine Kartierung, keine Grundlage. Kommunalpolitiker:innen können nicht handeln, weil sie nicht wissen, wo die Belastung am größten ist.
Genau das ändert Data4Danube Bulgaria. Von Juli 2026 bis Juli 2027 erstellen wir gemeinsam mit unserer bulgarischen Partnerorganisation LessPlastic Bulgaria die erste standardisierte Mikroplastik-Kartierung dieses Flussabschnitts. Möglich wird das durch die Förderung der Baden-Württemberg Stiftung im Programm Perspektive Donau.
Was wir vorhaben
Der Ansatz ist bewusst mehrschichtig – Daten allein verändern nichts, wenn niemand sie versteht, und Bildung allein verändert nichts, wenn sie ohne Substanz bleibt. Deshalb greifen vier Ebenen ineinander:
Wissenschaft. Mit Wasser 3.0 detect, unserer validierten Fluoreszenzmarker-Analytik, entstehen mindestens 50 wissenschaftlich valide Datenpunkte. Der entscheidende Punkt: Die Analytik-Kits sind versandfähig. Was sonst Speziallabore, Wochen und erhebliche Kosten braucht, wird damit erstmals über 450 Flusskilometer hinweg als Citizen-Science-Monitoring machbar. Alle Daten werden dauerhaft und öffentlich in der Global Map of Microplastics publiziert.
Zivilgesellschaft. Drei bulgarische Schulklassen mit rund 75 Schüler:innen nehmen selbst Proben und tragen ihre Ergebnisse selbst in die Datenbank ein. Mindestens 20 Freiwillige beteiligen sich an der koordinierten Probennahme entlang des Abschnitts. Wer misst, versteht. Wer versteht, handelt. Grundlage ist unser Bildungsangebot für Schulen – für dieses Projekt erstmals vollständig auf Bulgarisch.
Kapazitätstransfer. LessPlastic Bulgaria wird in der standardisierten Mikroplastik-Analytik geschult und kann nach Projektende eigenständig weiterarbeiten. Das ist keine Wissensvermittlung von oben nach unten: Wir bringen die Methodik ein, LessPlastic Bulgaria bringt Sprache, Netzwerk und die Kenntnis des lokalen Kontexts.
Politik. Am Ende steht ein Policy Brief auf Bulgarisch und Englisch, der die Messdaten in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzt – für Kommunen, das bulgarische Umweltministerium und EU-Institutionen. Ein Stakeholder-Dialog bringt Daten und Entscheidungsträger:innen an einen Tisch.
Wer mit dabei ist: LessPlastic Bulgaria
Dass dieses Projekt funktioniert, hängt an unserem Partner vor Ort. LessPlastic Bulgaria ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Sosopol – und hat eine Gründungsgeschichte, die überraschend nah an Deutschland vorbeiführt.
Angefangen hat alles Ende 2016 als studentische Idee an der RWTH Aachen, inspiriert von einem Vortrag über das Anthropozän – jene Epoche, in der der Mensch zum bestimmenden Faktor für das Erdsystem geworden ist. Einer der steilsten Anstiege in den Statistiken dieser Epoche: die Plastikproduktion.
Aus dieser Idee ist eine Organisation geworden, die heute an der bulgarischen Schwarzmeerküste Kunststoffabfälle systematisch erfasst, Strandreinigungen koordiniert, Workshops für Schulen und Unternehmen durchführt und unabhängige Studien erstellt. Über 6.800 Kilogramm Abfall haben die Freiwilligen bislang gesammelt. Die Kampagne „Clean Christmas“ ist inzwischen ein Markenzeichen der Organisation. Die Arbeit folgt vier Prioritäten, in deren Zentrum Bildung als wichtigstes Werkzeug für Veränderung steht – eine Überzeugung, die wir teilen.
LessPlastic Bulgaria ist dabei kein reiner Aktionspartner, sondern wissenschaftlich aktiv. Teammitglieder haben mitgearbeitet an Studien zu:
- Konzentration, saisonaler Variation und Zusammensetzung von Meeresmüll an der Küste des Schwarzen Meeres – Fallstudie Ropotamo im gleichnamigen Naturreservat
- hoher Mikroplastikbelastung in Meeressedimenten im Umfeld urbanisierter Gebiete entlang der südwestlichen bulgarischen Schwarzmeerküste
- den Auswirkungen von Extremwetterereignissen auf treibenden Meeresmüll in der Bucht von Burgas
Im Projekt übernimmt LessPlastic Bulgaria die Koordination vor Ort: Ansprache der Schulen entlang des Donauabschnitts, Mobilisierung der Freiwilligen, Durchführung der Bildungsworkshops auf Bulgarisch, lokale Presse- und Stakeholder-Arbeit sowie die Mitgestaltung des Policy Briefs. Ansprechpartner:innen sind Stiliana Stoyanova und Nikola Bobchev. Wer die Arbeit der Organisation verfolgen möchte, kann das hier machen: Instagram, Facebook und LinkedIn.
Was uns verbindet, ist eine gemeinsame Beobachtung: Die Organisation arbeitet dort, wo ankommt, was der Fluss transportiert. Zum ersten Mal wird jetzt flussaufwärts gemessen, statt nur die Folgen einzusammeln.
Data4Danube Bulgaria wird gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen des Programms Perspektive Donau.





