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26. August 2026REMEDIES 5.0: Erst die Daten, dann die Technik
Vier Jahre. 13 Standorte. 52 Partner. Und ein Prinzip, das wir auf Sylt und an der Donau konsequent durchziehen.
Es gibt einen Reflex, der uns in der Wasserbranche immer wieder begegnet: Erst wird eine Technologie gekauft, dann wird geschaut, ob sie überhaupt gebraucht wird. Das ist teuer, es frustriert alle Beteiligten — und es liefert am Ende keine belastbaren Antworten.
Wir machen es andersherum. Ab dem 1. September 2026 startet REMEDIES 5.0, eines der größten europäischen Vorhaben für die Wiederherstellung von Wasserfrontstädten und Häfen. 52 Partner aus 15 Ländern, 13 Demo-Standorte in allen vier europäischen Meeres- und Flussbecken. Wir sind an drei Stellen mit Verantwortung dabei — und beginnen überall mit derselben Frage: Was ist eigentlich drin im Wasser?
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Auf Sylt entstehen aus Meerwasser mehrere Produkte: Meersalz, Sole und potenzielles Trinkwasser, das im Prozess gewonnen und qualifiziert wird. Wir messen, wie stark Rohstoff und Produkte mit Mikroplastik belastet sind.
- Auf dieser Basis wird bewertet, ob und wo eine Entfernungsstufe sinnvoll ist. Die Daten entscheiden, nicht das Bauchgefühl.
- An der Donau kartieren wir gemeinsam mit Schulen und Freiwilligen über 50 Probenstellen.
- Europaweit leiten wir das Arbeitspaket zur Anpassung der Wasserbehandlungstechnologien.
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Laufzeit: 1. September 2026 bis 31. August 2030. Alle Ergebnisse werden öffentlich.
Warum ausgerechnet Sylt?
Weil dort etwas passiert, das viel zu selten passiert: Meerwasser wird als Rohstoff ernst genommen.
Auf der Insel leben rund 18.000 Menschen. Jedes Jahr kommen über 600.000 Gäste dazu. Im Projekt entsteht dort eine nachhaltige Entsalzung, gebaut vom Anlagenbauer Taprogge, bei der kein flüssiger Abfallstrom übrigbleibt. Betrieben wird sie vor Ort von der Sylter GenussMacherei rund um Alexandro Pape und sein Team. Aus dem Nordseewasser werden gleich mehrere nutzbare Produkte: Meersalz, eine aufkonzentrierte Sole und potenzielles Trinkwasser, das im neuen Prozess gewonnen und anschließend analysiert und qualifiziert wird. Aus einem Rohstoff werden mehrere Wertströme. In der GenussMacherei werden Technologie und Wissenstransfer gebündelt. Es entsteht eine Art gläserne Produktion. Gemeinsam bauen wir ein Reallabor, das die Menschen informiert, aufklärt und zeigt, wie Blue Economy funktionieren kann.
Unser Part: Wir wollen wissen, was drin ist und darüber informieren
Was in diesen Produkten landet, hängt davon ab, was vorher im Meerwasser war. Und genau das weiß bisher niemand genau. Deshalb liefern wir zuerst die Zahlen. Konkret heißt das: Wir messen die Mikroplastik-Belastung an jeder relevanten Stelle der Kette — im Rohwasser aus der Nordsee, in der hochkonzentrierten Sole, im gewonnenen Meersalz und im potenziellen Trinkwasser, das der neue Prozess liefert. Dafür passen wir unsere Mikroplastik-Analytik an die einzelnen Wassermatrizes an. Jede verhält sich anders, jede braucht ein eigenes Probenahme- und Aufbereitungsprotokoll. Dazu kommt der Faktor Saison: Im August sieht eine Insel mit 600.000 Gästen anders aus als im Februar.
Und dann? Dann wird bewertet. Aus den Daten leiten wir gemeinsam mit den Projektpartnern ab, ob eine zusätzliche Entfernungsstufe überhaupt nötig ist, wo im Prozess sie am meisten bringen würde und ob sich der Aufwand ökologisch und wirtschaftlich rechnet. Fällt die Bewertung entsprechend aus, steht mit Clump & Skim ein erprobtes Verfahren bereit: Hybridkieselgele verklumpen die Partikel zu popcornartigen Agglomeraten, die aufschwimmen und filterfrei abgeschöpft werden.
Genauso wichtig ist der andere mögliche Ausgang: Zeigen die Messungen keine relevante Belastung, wird nichts gebaut. Auch das ist ein Ergebnis — und zwar eines, das jede andere Entsalzungsanlage in Europa braucht, bevor sie investiert.
Was am Ende zählt, ist nicht die einzelne Anlage, sondern das übertragbare Vorgehen: erst wissen, was im Rohstoff steckt, dann entscheiden, welche Produkte daraus entstehen und welche Behandlung sie brauchen. Die Umsetzung vor Ort führt die Gemeinde List auf Sylt, die regionale Weiterverarbeitung des gewonnenen Meersalzes übernimmt die Sylter GenussMacherei — das ist reuse im Wortsinn.
Die Donau: über 50 Messpunkte, tausende Hände
Der zweite Teil unserer Arbeit liegt weit weg von der Nordsee — folgt aber demselben Prinzip. Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) leiten wir die Mikroplastik-Kampagne an der Donau. Über 50 standardisierte Probenstellen. Beprobt von Schülerinnen, Schülern und Freiwilligen. Analysiert und zweifach validiert in unserem Mikroplastik-Labor. Das knüpft direkt an DONAU 2850 an, unser laufendes Vorhaben für die erste durchgehende Kartierung des zweitlängsten Flusses Europas.
Warum das mehr ist als Datensammeln: Ein Stück Plastik, das bei Ulm in die Donau gerät, ist Wochen später im Schwarzen Meer. Dort zerfällt es in Partikel, die niemand mehr einsammelt. Wer flussaufwärts misst, kann flussabwärts handeln — das ist der Kern des Land-zu-Fluss-zu-Meer-Ansatzes, den REMEDIES 5.0 verfolgt. Erste Ergebnisse aus unserem Mapping haben wir bereits hier im Blog veröffentlicht.
Alle Messwerte fließen offen zugänglich in die Global Map of Microplastics sowie in die europäischen Datenplattformen EMODnet und den Digitalen Zwilling des Ozeans. Keine Zahl verschwindet in einer Schublade.
Drei Rollen, in denen wir führen
Bei europäischen Projekten ist die Frage nicht nur, ob man dabei ist, sondern wo man Verantwortung trägt. In REMEDIES 5.0 tragen wir sie an drei Stellen:
- Arbeitspaket-Leitung Wasserbehandlung. Wir koordinieren europaweit, wie Monitoring- und Behandlungstechnologien an die 13 Standorte angepasst werden — von der Kläranlage über Meerwasser bis zum Fluss.
- Demo-Standort-Leitung Sylt. Fachliche Gesamtverantwortung: Nullmessung, Bewertung, Umsetzung, Nachweis.
- Gemeinsame Projektleitung der Donau-Kampagne mit der BOKU. Methodik, Schulung, Analytik, Validierung und Auswertung.
Dahinter steht dieselbe Systematik wie immer bei uns — und zwar in dieser Reihenfolge: detect — erst wissen, was drin ist. remove — dann rausholen, falls die Daten es hergeben. reuse — und daraus etwas machen. Neu ist die Größenordnung. Alle laufenden Vorhaben findest du auf unserer Projektseite, die wissenschaftliche Grundlage in unseren Publikationen.
Und du? Drei Wege mitzumachen
- Selbst messen. Ob Schulklasse, Verein oder Einzelperson: Unsere Angebote für Schulen und Citizen Sciencezeigen, wie Probenahme funktioniert. Deine Messwerte landen in der Global Map of Microplastics — und werden Teil eines europäischen Datensatzes.
- Verstehen und weitererzählen. In unserer Wissensdatenbank erklären wir ohne Fachchinesisch, was Mikroplastikeigentlich ist, wo es herkommt und warum Kläranlagen es bisher nicht zurückhalten.
- Unterstützen. Wir sind gemeinnützig. Förderprojekte decken Forschung, nicht alles andere. Wer Bildungsarbeit und offene Daten möglich machen will, kann uns mit einer Spende oder Partnerschaft unterstützen.
Der Fahrplan bis 2030
| Ab Herbst 2026 | Projektstart, lokales Kick-off auf Sylt, Aufbau der Stakeholder-Plattform |
| 2026 bis 2027 | Nullmessung: Mikroplastik- und Wasseranalytik als Bestandsaufnahme |
| 2027 bis 2028 | Bewertung der Daten und gemeinsam mit der Gemeinde erarbeiteter Aktionsplan |
| Ab 2028 | Umsetzung der abgeleiteten Maßnahmen und Begleitung der Anlagentechnik |
| Ab 2027 laufend | Donau-Kampagne mit über 50 Probenstellen und Citizen Science |
| Bis Sommer 2030 | Öffentliche Ergebnisberichte, Blueprints und Replikation in weiteren Städten |
Häufige Fragen
Bleib dran: Wir berichten regelmäßig aus dem Projekt. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.
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